Projekte

John Cage

John Cage -Song Books im Musiktheater im Revier

Musiktheater im RevierSo, 17.6.2012, 15 Uhr Musiktheater im Revier

John Cage | Song Books

 

  • Cornelia Bitzner-Petriu, Raimund Fürst, Susan Jebrini, Julia Mihály (sound design),
    Christian Walter, Martin Wistinghausen (ChorWerk Ruhr)
  • Rupert Huber (Konzeption, Künstlerische Gesamtleitung)
  • Sabine Krasemann, Assistenz und Dramaturgie

Eine Kooperation zwischen ChorWerk Ruhr und dem Musiktheater im Revier Gelsenkirchen.

Als Ausgangspunkt dienen John Cages Song Books: Was Yves Klein die monochrome Farbe, war John Cage die Stille und die Unbestimmtheit, vor der seine Musik entstand. Wie Yves Klein die kontingente Beschaffenheit eines natürlichen Gegenstandes in sein Werk mit einbezog, arbeitete Cage mit dem Zufall als musikalischem Akteur. Und auch er bezog objets trouvés (Kunstwerke, die aus zufällig gefundenen Alltagsgegenständen kreiert werden) in seine 1970 publizierten Song Books, ob in Form von Landkarten, die zu Partituren werden oder als Lektürefrüchte. In etwa zwanzig Stationen werden sieben Sängerinnen und Sänger des ChorWerk Ruhr ausgewählte Stücke aus den „Song Books“ interpretieren und mit diesem einzigartigen Mobile das gesamte Musiktheaterfoyer zum Klingen bringen.

Mit dem MiR gelang dem Architekten Werner Ruhnau ein Gesamtkunstwerk, das den Anspruch auf ein modernes Musiktheater bereits im Gebäude sichtbar macht.

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SMS | Musikalische Installation anlässlich des 50. Todestages
von Yves Klein

Yves klein Votivkarte              Musiktheater im Revier

Eine Kooperation mit dem Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Sa, 30.6.2012, 22 Uhr, Musiktheater im Revier

Anonymus | Gregorianische Choräle aus dem Repertoire des Graduale Triplex
Yves Klein | Symphonie – Monoton – Silence
Eric Satie | Sonneries de la Rose + Croix und Prèmiere Pensée de la Rose + Croix

  • ChorWerk Ruhr
  • Stefan Irmer (Klavier)
  • Neue Philharmonie Westfalen
  • Rupert Huber (Konzeption, Künstlerische Leitung)
  • Sabine Krasemann, Assistenz und Dramaturgie

SMS kann man als Abkürzung im doppelten Sinn verstehen: für „Short Message Service“ ebenso wie für die „Symphonie Monotone Silence“ von Yves Klein. Beiden aufs erste sehr unterschiedlichen Begriffen ist gemeinsam, dass im einen Fall das Mobil-Telefon, im anderen ein lange ausgehaltener Akkord den kommunikativen Übertritt in einen anderen Bereich ermöglicht.

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Yves Klein, 1961:

„Das Blau, das Gold, das Rosa, das Immaterielle, die Leere, die Architektur der Luft, das Stadtartige der Luft, die Klimatisierung der leeren, geographischen Räume [sind] für die Rückkehr des Lebens in den legendären, paradiesischen Zustand. Die drei Goldbarren sind der Erlös aus dem Verkauf der ersten vier „Zones de sensibilité pictural immatérielle transférable“ [….]. Unter der irdischen Führung der Heiligen Rita von Cascia (wünsche ich mir): bildnerische Sensibilität; die Monochromiern; das Yves-Klein-Blau; die Schwammskulpturen; das Immaterielle; die statischen, negativen und positiven, anthropometrischen Abdrucke; die Verschleierungen; die Feuer- und Wasserfontänen; die Architektur der Luft; die Regulierung der geographischen Räume, folglich umgeformt in den dauerhaften, wiederentdeckten, paradiesischen Zustand auf der Oberfläche unseres Planeten: die Leere. Das Theater der Leere; all die einzelnen, marginalen Spielarten meines Werkes; die „Cosmogonies“; mein blauer Himmel; alle meine Theorien generell. Mögen meine Feinde meine Freunde werden und, falls das möglich ist, möge mich nie ein Angriff verletzen. Mach mich und mein Werk unverwundbar. So sei es.

Möge mein Werk in Gelsenkirchen immer schön sein, immer noch schöner und als solches so bald wie möglich erkannt werden. Mögen die Feuer- und Wasserfontänen von mir ohne Verzögerung vor dem Opernhaus in Gelsenkirchen ausgeführt werden; möge die Ausstellung in Krefeld die erfolgreichste des Jahrhunderts sein und von allen erkannt werden.

Heilige Rita von Cascia, Heilige der unmöglichen und verzweifelten Fälle, danke dir für die kraftvolle, maßgebliche, großartige Hilfe, die du mir gewährt hast. Unendlichen Dank! Selbst wenn ich persönlich unwürdig bin, gewähre mir deine Hilfe immer wieder und beschütze alles, was ich geschaffen habe, so dass es trotz mir immer von großer Schönheit sei.“

Diese auf ein Blatt Papier geschriebenen Worte waren Teil einer Votivgabe, die Yves Klein 1961 der Heiligen Rita von Cascia (Umbrien) darbrachte. Man fand sie 1980 rein zufällig anlässlich der Restaurierung der Kirche, versteckt hinter der Statue der Heiligen.

In der Veranstaltung SMS, „Symphonie-Monotone-Silence“ am 30.6.2012 anlässlich des 50.Todestages von Yves Klein findet im vom Künstler maßgeblich gestalteten Foyer des Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen die Aufführung des gleichnamigen Stückes von Yves Klein durch die Neue Philharmonie Westfalen und ChorWerk Ruhr statt. Als Geste des Gedenkens an den großen Konzeptkünstler Yves Klein haben die Zuschauer die Möglichkeit, ihre Eintrittskarte mit einer Votivkarte zu tauschen, auf deren Vorderseite ein Foto der Votivgabe des Yves Klein an die Heilige Rita von Cascia abgedruckt ist.

Die Heilige Rita ist die Schutzpatronin der in höchster Not verzweifelt Wünschenden. Yves Klein fügte seiner Votivgabe, die er der Heiligen Rita darbrachte, einen Brief bei, in dem er seine Wünsche, deren Erfüllung bis heute utopisch erscheint, darlegte. Auf der Rückseite der mit dem Ticket eingetauschten Karte kann nun jeder Zuschauer an einem dafür bereitgestellten Stehpult einen persönlichen Wunsch niederschreiben, der ihm gleichermassen wichtig und dringend, aber kaum erfüllbar erscheint.

Diese Bitte um Wunscherfüllung ist an die Heilige Rita, die Patronin der aussichtslosen und hoffnungslosen Fälle, gerichtet und wird zu Füssen der Statue in eine Box geworfen. Diese wird am Ende der Veranstaltung versiegelt. Die ausgefüllten Karten werden also von niemandem gelesen. Höchste Diskretion ist gewahrt. Die gesamte Box mit ihrem Inhalt wird nach Cascia in Umbrien gebracht und vor dem Bildnis der Heiligen Rita eine gewisse Zeit abgestellt. Daraufhin wird sie vernichtet.

Yves Kleins Sinfonie bringen ChorWerk Ruhr, Stefan Irmer (Klavier) und die Neue Philharmonie Westfalen am Samstag, den 30. Juni 2012 ab 22 Uhr im Foyer des Musiktheater im Revier auf die Bühne: Die Kunst stellte für Yves Klein die Schnittstelle zu einem immateriellen Bereich dar. Leben und Werk des Yves Klein weisen durchaus in eine mystische Richtung. Ein schönes Beispiel dafür ist die berühmte Votivgabe an die Heilige Rita mit den beigefügten, verzweifelten Wünschen des Antragsstellers. In diesem Zusammenhang ist die musikalische Installation SMS von Rupert Huber zu sehen, bei der neben der „Symphonie Monotone Silence“ von Yves Klein auch für die Rosenkreuzer geschriebene Klavierstücke von Eric Satie und gregorianische Gesänge an die Heilige Rita zur Aufführung kommen.

Vor der Aufführung ist ab 20.00 Uhr eine Gesprächsrunde zum Wirken Yves Kleins in Gelsenkirchen geplant, an der unter anderem der Architekt des MiR und Zeitzeuge Yves Kleins, Professor Werner Ruhnau, Komponist Felix Leuschner und Rupert Huber, der Musikalische Leiter dieser beiden Chor-Werk Ruhr-Projekte, teilnehmen werden.

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Beethovenfest 2012 | „Cage-Nacht“

Rupert HuberSa, 15.9.2012, 19 Uhr und 22 Uhr, Bundeskunsthalle (>> Info)

John Cage | Song Books

  • Ensemble Spinario
  • Mitglieder des Freyer Ensembles (Darsteller)
  • Rupert Huber (Konzeption, Künstlerische Gesamtleitung)
  • Sabine Krasemann, Assistenz und Dramaturgie

 

  Bild: © sumnima arts

Brandaktuelles Statement
Dass die „Song Books“ in ihrer anarchischen Wucht nicht als gefährliches, nach wie vor brandaktuelles politisches Statement aufgefasst werden, sondern eher als ästhetisches, bedauere ich als tragischen Rezeptionsirrtum.“ (Rupert Huber) Der Dirigent, Komponist und Performancekünstler Rupert Huber setzt sich seit den frühen 80er Jahren intensiv mit der Musik von John Cage auseinander. Mit dem von ihm 1982 gegründeten Ensemble Spinario und Mitgliedern des Freyer Ensembles setzt Huber die ebenso friedvolle wie anarchische gesellschaftliche Dimension der „Song Book“« um: „… gleiche Rechte für alle, individuelle Kompetenzen und – ganz wichtig – absolute Verweigerung jeglicher Form von hierarchischer Struktur.“ (>> Weitere Informationen)

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1100 Besucher bei der Cage-Nacht
(Rezension im Bonner Generalanzeiger vom 17.09.2012)

Cage trifft Kiefer: Man kann sich kaum gegensätzlichere Künstler vorstellen als John Cage und Anselm Kiefer. Aber gerade das machte den Reiz bei Rupert Hubers Cage-Projekt in der Kiefer-Ausstellung der Bundeskunsthalle aus: Ein Wandelkonzert mit Sängern des Ensemble Spinario sowie Tänzern und Schauspielern der Freyer Ensembles. ….

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„Song Books – Eine musikalische Installation nach John Cage“

Rupert HuberMi, 5.9.2012, MdM Salzburg Museum der Moderne

„Song Books – Eine musikalische Installation
nach John Cage“

Bild: © sumnima arts

Unter der künstlerischen Leitung des österreichischen Komponisten, Dirigenten und Performancekünstlers Rupert Huber, wird eine speziell auf die Ausstellungsräume und -inhalte des MdM Salzburg abgestimmte Rauminstallation mit einer Auswahl aus John Cages „Song Books“ von 1970 aufgeführt. Dieses Kompendium setzt sich aus 92 individuellen Soli zusammen, deren Kombination – einzeln, nacheinander oder simultan – jedes Mal aufs Neue durch die Künstler selbst geschieht. John Cages „Song Books“ beinhalten seinen Traum von Selbstbestimmtheit und Selbstverantwortung, gleiche Rechte für alle, individuelle Kompetenzen und – ganz wichtig – absoluter Verweigerung jeglicher hierarchischer Struktur.

Eine wichtige Bezugsperson für Cage waren Leben und Werk von Thoreau (1817-1862) und seine Utopie: „The best form of government is no government at all“. Somit bieten die „Song Books“ immer wieder individuelle Bezugs- und Ansatzpunkte, die durch die Mitwirkenden des Freyer Ensembles sowie jene des Ensembles Spinario frei interpretiert und realisiert werden.

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SONG BOOKS

Eine Gruppe singender Menschen hat unbesehen ihrer besetzungs- und satztechnischen Bestimmung auch eine außermusikalische Bedeutung, was kurz an drei Beispielen umrissen sei:

In der Gotik versinnbildlicht ein während des liturgischen Geschehens singendes Ensemble den Gesang der Engel vor Gottes Thron, wie überhaupt die gotische Kathedrale mit ihren das menschliche Maß überschreitenden Dimensionen ein Symbol für den Himmel, die Stadt Gottes darstellte.

Der im 19. Jahrhundert entstandene, vier-stimmig gemischte Chor, in dem Frauen und Männer, Menschen aller Gesellschaftsschichten nebeneinander sangen, war durchaus auch Abbild der gesellschaftlichen Utopie einer werdenden Nation, deren Bestimmung sie selbst war. Dass diese Gruppierung, Chor bzw. Nation, eines hierarchisch übergeordneten Leiters bedurfte, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Schwachstelle einer Idealvorstellung von Gesellschaft, der noch stark von feudalistischen Einflüssen geprägt war.

Da verhält es sich bei John Cages SONG BOOKS schon anders: Sein Traum vom Zusammenleben der Menschen beinhaltet Selbstbestimmtheit und Selbstverantwortung des Einzelnen unter gebotener Rücksichtnahme auf die Gemeinschaft, gleiche Rechte für alle, individuelle Kompetenzen und – ganz wichtig – absolute Verweigerung jeglicher Form von hierarchischer Struktur. Dass sich dabei privater und öffentlicher Bereich ganz anders durchdringen als in unserer Zivilisation, ist evident. Eine wichtige Bezugsperson für Cage war dabei Leben und Werk von H.D. Thoreau (1817-1862), der in „Walden“ seine Utopie von kleingliedrig selbstverwalteter Gemeinschaft entwickelte.

Bei SONG BOOKS handelt es sich um eine lose Folge von 92 Soli für Sänger oder Performer, die beliebiger Auswahl einzeln, hintereinander oder einander überlappend aufgeführt werden können. Der direkte Textbezug zum Werk von Thoreau ist oft gegeben: „The best form of government is no government at all.”

Dass die SONG BOOKS in seiner anarchischen Wucht nicht als gefährliches, nach wie vor brandaktuelles politisches Statement aufgefasst werden, sondern eher als ästhetisches, bedauere ich als tragischen Rezeptionsirrtum.

Rupert Huber

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Rezension (Salzburger Nachrichten vom 6.9.2012)

Der 100. Geburtstag des Komponisten, Musikers, Philosophen, Literaten und Denkers John Cage wurde am Mittwoch vom Museum der Moderne (MdM) mit einer Performance gefeiert.

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Rupert Huber

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